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Monde (Wissenschaft • Astronomie • Sonnensystem • Mars)

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Begriffserklärung

Die Monde des Mars sind Phobos und Deimos, zwei kleine felsige Satelliten, die den Mars in sehr geringem Abstand schnell umkreisen. Ihre Bezeichnungen leiten sich von den griechischen Namen der Begleiter des Kriegsgottes Mars, Phobos ("Furcht") und Deimos ("Schrecken") ab.

Geschichte der Entdeckung der Marsmonde

Die beiden Marsmonde wurden 1877 von dem amerikanischen Astronomen Asaph Hall mit dem damals größten Spiegelteleskop der Welt am US Naval Observatory in Washington entdeckt. Asaph Hall wurde als Nationalheld sowie seine Entdeckung als Großtat der Wissenschaft gefeiert und schon damals als Zeichen der Überlegenheit der amerikanischen Forschung und Technik gewertet.

Interessanterweise hatte Jonathan Swift bereits 1726 in seinem berühmten Buch Gullivers Reisen die Existenz dieser zwei Monde vorausgesagt und darüberhinaus Angaben zu ihrer Grösse und ihren Bahndaten erfunden, die überraschend genau die wahren Verhältnisse trafen. Eine solche Vorhersage dürfte in der Wissenschaftsgeschichte ein nahezu einmaliger und höchst unwahrscheinlicher Zufall sein.

Beschreibung und Abbildungen

Marsmonde Phobos und Deimos im richtigen Größenverhältnis
Photomontage der Marsmonde Phobos und Deimos im richtigen Größenverhältnis zueinander.

verändert, Bildquelle: NASA/JPL

Die Bahnen von Phobos und Deimos im richtigen Größenverhältnis

Schematische Darstellung der Umlaufbahnen von Phobos und Deimos im richtigen Größenverhältnis zueinander und zu ihrem Mutterplaneten. Es wird deutlich, wie ausserordentlich nahe vor allem Phobos den Planeten umkreist. In diesem Maßstab sind die winzigen Monde sogar als Punkte zu groß dargestellt. Die Bahnen selbst sind fast ideal kreisförmig und liegen nahezu genau in der Ekliptik.

Schema aus: marsmonde. de

Phobos

Phobos
Bildquelle: NASA/JPL

Phobos (Furcht) ist der größere der beiden Marsmonde und
ein relativ dunkler Körper, wahrscheinlich in der Art der kohligen Achondriten. Phobos ist vermutlich wohl ein vom Mars wegen dessen Nachbarschaft zum Asteroidengürtel eingefangener Asteroid.

Phobos ist stark verkratert, was ein hohes Alter seiner Oberfläche bedeutet. Einer der Krater, Stickney, auf dem Bild rechts zu erkennen, mißt mehrere Kilometer im Durchmesser. Seine Entstehung dürfte den unregelmäßig geformten Himmelskörper fast zerissen haben. Die Oberfläche von Phobos ist zur Gänze mit tiefem Staub und Regolith bedeckt. Seine relativ geringe Dichte läßt vermuten, dass er weniger ein fester, kompakter Felsen ist, als eher aus einzelnen, nurmehr locker zusammenhaltenden Brocken besteht.

Phobos umkreist den Mars hart an der Roche'schen Grenze, innerhalb derer ein Satellit an den Gezeitenkräften, die sein Mutterplanet auf ihn ausübt, zerbrechen muss. Die auffälligen Scharen tiefer Furchen auf dem Mond, die auch oben auf dem Photo erscheinen, sind bereits in dieser Richtung interpretiert worden. Da Phobos wie jeder Himmelskörper über die Äonen hinweg abgebremst wird, muss sein Abstand zum Mars die Roche'sche Grenze in absehbarer Zeit, etwa in 100 Millionen Jahren, unterschreiten und der Mond wird zerfallen. Ob seine Bruchstücke dann auf den Mars fallen, oder ob sie wie beim Saturn einen Ring um den Planeten bilden werden, ist ungewiß.

Phobos verfinstert die Sonne am 7. März 2004
Bildquelle: NASA/JPL, marsrovers.jpl.nasa.gov

Phobos ist der einzige bekannte Himmelskörper, der wegen seiner überaus hohen Bahngeschwindigkeit im Westen des Planeten auf- und im Osten untergeht. Sein Umlauf "überholt" die 24-stündige Rotationsperiode des Planeten. Von der Marsoberfläche aus gesehen ist der Mond als knapp halbmondgrosser Schemen zu erkennen und von der Sonde MER Opportunity u.a. am 7. März 2004 auch fotografiert worden. Er verursacht, wie oben gezeigt, häufige partielle Sonnenfinsternisse auf dem Mars. Auf der Bildsequenz ist die unregelmäßige Form des Phobos als Schatten vor der Sonne recht gut zu erkennen.

Für die Raumfahrt wäre Phobos als marsnahe "natürliche Raumstation" mit vernachlässigbar geringer Fluchtgeschwindigkeit interessant. Auf der sonnenabgewandten Seite wären zukünftige Astronauten darüberhinaus vor der Strahlung geschützt. Eine Mission der Russischen Föderation zum Phobos ist durch Verlust der Sonde auf dem Weg zum Mars gescheitert.

Deimos

Deimos
Quelle: NASA/JPL

Deimos (Schrecken) ist der kleinere der beiden Marsmonde und
vermutlich ebenfalls ein eingefangener Kleinkörper aus dem Asteroidengürtel. Seine Oberfläche ist weniger stark strukturiert als die von Phobos und er nimmt in weiterem Abstand zum Mars eine weniger extreme Umlaufbahn ein als jener.

Daten


Phobos
Entdeckung Asaph Hall, 10. 09. 1877
Mittlerer Bahnradius 9378 km
Numerische Exzentrizität 0,0151
Umlaufzeit 7 h 39,2 m
Neigung der Bahnebene 1,08 Grad
Durchmesser 27×22×19 km
Mittlere Dichte 2,0 g/cm3
Masse 1.08 * 1016 kg
Rotationsperiode 7 h 39,2 m
Albedo 0,06

Deimos
Entdeckung Asaph Hall, 12. 09. 1877
Mittlerer Bahnradius 23.459 km
numerische Exzentrizität 0,00033
Umlaufzeit 1d 6h 17,9m
Neigung der Bahnebene 1,79 Grad
Durchmesser 15×12×11 km
Mittlere Dichte 1,7 g/cm3
Masse 1,8×1015 kg
Rotationsperiode 1d 6h 17,9m
Albedo 0,07

Quelle: NASA/JPL





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